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Das eigene Unternehmen in die Öffentlichkeit bringen: Start unserer Serie

 


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"... noch viel mehr in diese Richtung tun"

"... noch viel mehr in diese Richtung tun"

In einer neuen Serie stellen wir erfolgreiche Kooperationen zwischen produzierenden Betrieben und DesignerInnen aus unserem CREATIVE POOL vor. Im ersten Teil geht es um die Firma Ottobock. Sie hat mit dem Produktdesigner Adam Wehsely-Swiczinsky u.a. die Sprunggelenk-Orthese "Malleo Sprint" entwickelt. Dr. Hans Dietl - Geschäftsführer Ottobock Österreich - erzählt über die Zusammenarbeit, den Herstellungsprozess und den Unternehmensstandort Wien.

 


Wollen auch Sie hier über eine spannende Kooperation berichten? Dann schicken Sie eine kurze E-Mail an: redaktion@creativespace.at

 

 


CREATIVESPACE: Wie haben Sie zueinander gefunden?
Dr. Hans Dietl: Der Kontakt wurde auf einer Messe geknüpft. Daraus ergab sich der erste kleine Auftrag an Adam Wehsely-Swiczinsky, ein medizinisches Produkt gestalterisch aufzupeppen. Das war eine Knöchelorthese.


Wie läuft der Prozess ab? 
Vom Start weg finden regelmäßige Treffen statt. Bei der ersten Zusammenarbeit hat es bereits ein Produkt gegeben, das dann optimiert wurde. Da hat der Prozess nur ein paar Monate gedauert. Beim zweiten Projekt, der Sprunggelenksorthese "Malleo Sprint", war Wehsely-Swiczinsky von der ersten Idee bis zur Umsetzung dabei - alles in allem über sechs Jahre.

Wie findet man einen Konsens?
Hier treffen immer zwei Faktoren aufeinander. Auf der einen Seite die Usability des Produkts: Was soll das Produkt genau können und wie soll es aussehen? Auf der anderen Seite geht es um die Produzierbarkeit. Zu Beginn wurde uns ein Entwurf präsentiert, der Verwirrung, aber auch Begeisterung auslöste. In der zweiten Phase versucht man, auf die Wünsche des Designers einzugehen. Und in der dritten Phase müssen Kompromisse von beiden Seiten geschlossen werden. Das ist ein typisches Geben und Nehmen, wo jeder Abstriche machen muss. Die letzte Phase gilt der Bemusterung. Da ist der Designer jedoch nicht mehr dabei.

Haben sich neue Perspektiven aus der Zusammenarbeit ergeben?
Wir haben gemeinsam mit Adam Wehsely-Swiczinsky schon vier Produktlinien im Orthetikbereich realisiert. Prinzipiell arbeitet Ottobock Österreich sehr gern und langfristig mit Designpartnern zusammen. Wir haben lange Zeit auch einen eigenen Haus-Designer beschäftigt, der mit externen Designern kommuniziert hat.

Ist Design ein probates Mittel, um auf wirtschaftliche Krisen zu reagieren?
Gutes Design ist immer ein Vorteil, Wirtschaftskrise hin oder her. Im Prothesen-Bereich tragen die Anwender unsere Produkte den ganzen Tag. Das erfordert ein angemessenes Produkt-Design. Und ich sehe es auch als Recht des Anwenders an, gutes Design kaufen zu können. Ein Produkt ohne passende Optik und Funktionalität verkauft sich auch nicht mehr. Die Käufer sind hier sehr sensibel.

Seit wann setzt das Unternehmen auf Design, was war der Auslöser?
Seit zwanzig Jahren binden wir Designer in den Prozess mit ein. Wir sehen Design als integralen Teil des Herstellungsprozesses. Der Auslöser war ein Akku-Ladegerät für Handprothesen. Um frischen Wind in die Produktgestaltung zu bekommen, haben wir externe Designer engagiert. Unser zweites Schlüsselerlebnis war in der Rollstuhl-Sparte. Wir haben uns hier an einer Welser Firma beteiligt, die den Rollstuhlmarkt mit einem bunten Design revolutionieren wollte. Aber leider funktionierten die Rollstühle nicht wie gewünscht. Das führte uns vor Augen, wie wichtig es ist, Design und Funktionalität zu verbinden. Das eine kann ohne das andere einfach nicht bestehen.

Wie wichtig ist Wien als Unternehmensstandort für Ottobock?
Wien weist eine hohe Kompetenz im Bereich technologisch hochwertige Mechatronik-Systeme auf. Hier bieten sich gute Voraussetzungen durch die universitären Gruppen und die vielfältige Designszene. Auch für internationale Mitarbeiter ist Wien ein attraktiver Arbeitsplatz. Wir investieren 19, 5 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung alleine in Österreich. Das macht 22 Prozent unseres Umsatzes aus. Global gesehen sind es 45 Millionen Euro, das sind etwa 7 bis 8 Prozent unseres Umsatzes.

Wie schätzen Sie das Designbewusstsein österreichischer Unternehmen ein?
Ich denke, dass die Hemmschwelle der Unternehmen relativ groß ist, Design zu integrieren. Oft fehlt die Vorstellung, wie sich ein Designer in das Unternehmen eingliedern und wie die Resultate aussehen könnten. Zu Beginn steht ein Lasten- und Pflichtenheft, das aber nicht viel erklärt und abstrakt bleibt. Uns wurde klar, dass wir die Designer von Anfang an in den Prozess miteinbeziehen und mit den Ingenieuren zusammenbringen müssen. Es sollten in Österreich mehr Anreize für solche Kooperationen geschaffen werden. Das kann zum Beispiel durch Förderschienen und Förderfonds geschehen. Österreich gilt als Land der Investitionsgüter, da können wir noch viel mehr in diese Richtung tun.  



Und was sagt der Designer?
Ich arbeite mit Ottobock schon seit über acht Jahren zusammen. Mein Team ist es gewohnt, produktionsnah zu denken und zu entwerfen. Entwicklung bedeutet Kooperation und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Kunden. Mittlerweile arbeiten wir nicht nur für das Ottobock Hauptquartier in Duderstadt/Deutschland, sondern unter anderem auch für deren schwedische Sporttochter "Rehband".



Adam Wehsely-Swiczinsky im CREATIVE POOL


www.ottobock.at



12.10.2012
Foto: Sprunggelenk-Orthese „Malleo Sprint", © Ottobock