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Die österreichische Modeszene ist den letzten Jahren stetig gewachsen. Man sollte denken, das gilt auch für die Blogs der Szene. Tatsächlich sagt Claudia Rosa Lukas, Designerin und eine der Initiatorinnen der Modeplattform austrianfashion.net: "Es können schon mal ein paar tausend Besucher am Tag sein." Trotzdem beobachtet sie in letzter Zeit einen Rückgang: "Die Szene war 2006 deutlich lebhafter." Einer der Gründe dafür sieht sie in der Verdrängung der heimischen Modeblogs durch die Lifestyleseiten der großen deutschsprachigen Medien. Wir zeigen, welche Blogs dieser Entwicklung trotzen.
Das Prinzip von Streetstyle-Blogs ist das Ablichten von modebewussten Menschen auf der Straße. Meistens werden die Leute auch dazu befragt, wo sie ihre Kleidung gekauft haben, so dass sich andere beim Durchklicken der Fotos Inspiration für ihren eigenen Kleidungsstil holen können. Stilage vienna beruht auf der Plattform stilage. Auf der in Paris gegründeten Seite dreht sich alles um Kultur und bildende Kunst. Die Initiatoren Daniel Lichter und Phillip Stern zu ihrer Motivation: "Eine Stadt wie Wien, die kulturellen Weltrang für sich beansprucht, verdient eine ständige Beobachtung ihrer Straßenmode und Vielfältigkeit." Das Ergebnis zeigt Fotografien von jungen und alten modebewussten Menschen, die sich überall in der Stadt haben ablichten lassen.
Der Steetstyle-Blog
pimpumpam des Italieners Francesco Vezzola hat sich in der Szene bereits einen Namen gemacht. Das Besondere sind nicht nur die Fotos, sondern auch die kleinen Interviews mit den Modellen. Bei Fragen nach den Vorlieben beim Frühstücken oder dem schönsten Erlebnis der letzten Tage erfährt man zusätzlich etwas über die Persönlichkeit der Menschen. Zu Francescos Lieblingsspots zählt das Wiener MuseumsQuartier. Er ist aber auch schon mal in Rom oder Budapest unterwegs.
Blog oder Online-Magazin? austrianfashion.net ist beides. "Wir fangen da an, wo andere aufhören. Denn uns geht es darum, Zusammenhänge aufzeigen statt einfach nur Shopping-Tipps zu geben", so Claudia Rosa Lukas. Sie ist eine der sechs DesignerInnen, die 2007 die Seite gemeinsam gründeten. "Zum Beispiel zeigen wir Ausbildungsmöglichkeiten in der Modebranche auf und führen einen theoretischen Diskurs über Mode." Die Leserschaft besteht hauptsächlich aus Frauen zwischen 20 und 35 Jahren. Hin und wieder verlässt austrianfashionnet auch die digitale Welt und organisiert Networking-Events für die Szene. "Aus ersten gemeinsamen Treffen von ungefähr hundert Designern sind viele Projekte entstanden, zum Beispiel die Kooperationsbörse Mode mit CREATIVESPACE."
Ein Blog, der sich eher aus einem persönlichen Blickwinkel mit der österreichischen Modeszene auseinandersetzt, ist Tschilp. Die New-Media-Expertin Michaela Amort schreibt hier über das inländische Modedesign, extravagante Wiener Läden, neue Kollektionen und die internationale Avantgarde. Auf kritische Art und Weise betrachtet sie Kleidung auch mal im gesellschaftlichen Zusammenhang und zeigt nicht immer nur die positive Seite der Modeszene.
Blogs kennen keine Altersbeschränkung, wie die US-Fashionbloggerin Tavi Gevinson unter Beweis stellt: Mit elf Jahren gründete sie ihren Modeblog "The Style Rookie", der innerhalb kurzer Zeit 50.000 BesucherInnen pro Tag verzeichnete. Inzwischen hat Tavi Gevinson ihr eigenes Modemagazin. Victoria Jin ist etwas älter, kann aber durchaus als österreichische Pendant bezeichnet werden. Die 19-jährige ist Fotografin und Gründerin des Modemagazins KNEON. Auf ihrem Blog ellevictoire erzählt jede Fotoreihe eine kleine Geschichte: Da sieht man sie mal während eines Gewitters mit ihrer Freundin Dayoung im Le Loft in Wien sitzen und einen Brazilian Mojito genießen. Dabei trägt sie ein Kleid von H&M, eine Tasche von Mango und ein Vintage-Oberteil aus Mutters Kleiderschrank.
Ein buntes Durcheinander von modischen Accessoires präsentiert Michaela Ambos auf ihrem Blog cooloutfit. Unter anderem finden sich Ringe in Mausform und Ledertaschen, die per Origami-Technik gefaltet werden. Außerdem gibt es noch gehäkelte Bohrmaschinen, Kinder-Laptops aus Holz oder überdimensionale Polaroids zur Wandgestaltung. Manchmal erfährt man aber auch einfach von Dingen, die sich die Autorin "einbildet, der Welt mitteilen zu müssen", wie sie selbst sagt.
20.8.2012
Foto: Victoria Jin im Le Loft/Sofitel Wien, gebloggt auf ellevictoire, © Dayoung