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Im Zeitalter der multimedialen Information, so Trendforscher, weicht das Primat des Sehens einer multisensorisch geprägten Kultur. Entsprechend reicht es heute nicht mehr aus, eine Marke nur visuell zu kommunizieren. Die Zukunft gehört dem Sound Branding - schließlich sind Geräusche viel direkter mit der emotionalen Ebene verknüpft als optische Reize. "Klein- und Mittelbetriebe müssen erst ein Bewusstsein für das Thema Sound Branding bilden", so Carl-Frank Westermann. Er ist ist einer der Initiatoren des Masterstudiengangs "Sound Studies" an der Universität der Künste Berlin und Mitbegründer der Agentur WESOUND. Sie sorgt dafür, dass Marken und Produkte auditiv erlebbar werden.
Die Macht des guten Tons
Mit Sound Branding eröffnet sich Unternehmen eine ganze Reihe an Möglichkeiten, die Macht des guten Tons für sich zu nutzen. Denn hörbare Reize haben signifikanten Einfluss auf die Einstellung zu einer Marke, die Kaufbereitschaft und das Einkaufsverhalten. Größere Unternehmen haben Markenstimmen, Jingles und Audiologos. Eines der bekanntesten sind die fünf Töne (h-h-h-e-h) der Telekom Austria mit einem kolportierten Wiedererkennungswert von 98 Prozent. Aber auch kleine Unternehmen tun gut daran, in ihren akustischen Auftritt zu investieren. Denn es ist nicht egal, wie die Stimme auf dem Anrufbeantworter oder in der Warteschleife klingt, welche Musik im Verkaufsraum oder auf der Website gespielt wird: All das hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck in der Zielgruppe.
Knirschendes Leder, brummende Motoren
Nicht nur Unternehmen, auch einzelne Produkte haben ihren Klang. Und der ist größeren Unternehmen etliche Forschungsmillionen wert, vor allem in der Autoindustrie. Bei BMW arbeiten nicht weniger als achtzig Mitarbeiter in der Fahrzeug-Akustik. Vom Motorengeräusch über das Klicken des Blinkers bis hin zum Knirschen der Ledersitze wird nichts dem Zufall überlassen. Der Konsument, das wissen Sound-Forscher, hat eine akustische Erwartungshaltung. Das Erfüllen der Erwartungen entscheidet über Kauf oder Nicht-Kauf.
Sound Design aus Ottakring
Die Wiener Brauerei Ottakring baut als eines der ersten heimischen Unternehmen eine ganze Marketingstrategie auf ein Geräusch auf. Die Rede ist vom "Blopp!", dem Sound beim Öffnen der Bierflasche. "Drei Jahre und einen sechsstelligen Betrag haben wir in die Entwicklung investiert", sagt Ottakringer-Chef Sigi Menz. Zehn Prozent Umsatzsteigerung habe man erwartet. Ob sie erreicht wurden, verrät Ottakringer nicht.
Vom Blopp zum Knack
Der deutsche Food-Designer Friedrich Blutner ließ Probanden im Zuge eines Würstel-Tests Geschmacksbewertungen abgeben. Gewonnen hat das Würstchen mit dem lautesten Knackgeräusch. Denn bei Nahrungsmitteln gilt: Je lauter sie klingen, für desto frischer halten wir sie. Kurioser Hintergrund: Die Schafe des Gewinner-Würstels kamen aus der Mongolei, hatten sich vor allem von Disteln ernährt. Die machen das Fleisch fester - und eben auch akustisch knackiger.
Dickes Wachstumsplus
Die Branche rund ums Sound Branding wächst. Die Analyse von 32 einschlägigen Agenturen aus 13 Ländern, Österreich inkludiert, ergab 2010 ein Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 7,63 Millionen Euro. Noch wurde keine allgemeingültige Formel für den guten Ton erforscht. Ein Grund dafür: Frauen und Männer empfinden Geräusche unterschiedlich. Entsprechend aufwendig gestaltet sich die Produktforschung.
19. Österreichische Medientage
25.-27. September 2012
Wiener Stadthalle, Halle F
www.medien-tage.at
Carl-Frank Westermann: Perspektive Sound Branding
25.9.2012, 11.00 Uhr, Saal 2
22.9.2012
Foto: Die Automobilbranche leistet Pionierarbeit beim Sound Design; hier eine Versuchsanordnung von Volvo, © Volvo