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Capital Bank
2005
Auftraggeber: Albert Handler/ARGE CC
Performance with a Capital P, Magazin der Capital Bank Grawe Gruppe AG, 2/Dez. 05 ("Charity")
Bsp.: Weihnachtsgeschichte, Auszug
Metropolis lost, Paradise regained
"Stadtluft macht frei", sagten meine großen Schwestern wissend. "Aber Landluft stark", brüllte mein Bruder und gebärdete sich wie ein gereizter Affe. Dann quetschte er, wie so oft, meinen Arm - warum meinen? -, um sie von seiner Kraft zu überzeugen. Ich wusste auch nicht, was meine Schwestern meinten, ich fühlte mich weder noch. Und wir wohnten dazwischen: nicht mehr am Land, noch nicht in der Stadt, im Niemandsland oder in der Möchtegernstadt, je nachdem.
Doch einmal kam ich in die große Stadt, ich erinnere mich nicht mehr, was oder wer mich hinbrachte. Aber ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich war. Mir schien, als beobachteten mich die hohen Häuser, als rieben sie sich kokett aneinander, als blähten sie sich förmlich auf, um mir schöne Augen zu machen. Merkwürdig, dachte ich, so eine Riesenstadt muss doch voll von Menschen sein, die ihren wichtigen und unwichtigen Geschäften nachgehen, oder besser gesagt, nachlaufen. Aber so war es nicht. Ich blickte die Alleen entlang, bis ans andere Ende der Stadt, wo die Häuser wieder einzeln standen. Doch soweit ich sah, war alles menschenleer, hin und wieder nur huschte ein Schatten in einen Hauseingang, verschwand ein Kopf hinter einem Fenster. Einmal glaubte ich leise Stimmen zu hören, die ein trauriges Lied sangen. "Das bildest du dir ein. Hier ist niemand", schärfte ich mir ein. Auch als ich in die verwinkelten Gassen hineinlief, wo meine Schritte unheimlich auf den Pflastersteinen hallten, hatte ich das Gefühl, jemand würde mit mir Katz und Maus spielen, mir jedes Mal, wenn ich um die nächste Ecke rannte, wieder nur eine leergefegte Gasse vorführen. Nie kam jemand des Weges - kein Mann, keine Frau, keine Kinder. Keine Hunde, keine Katzen, keine Tauben, nur die Häuser starrten mich mit ihren großen Türen und Fenstern an. Ich fühlte mich mutterseelenallein. Wie so oft. Und dennoch beschlich mich im gleichen Augenblick ein zaghaftes Gefühl von Geborgenheit. Die Stadt mochte mich, das konnte ich spüren, und ich mochte sie.
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